
Politiker, Unternehmensinsider und viele Journalisten fragen sich seit Jahresbeginn: Ist der USA-Tourismus 2025 rückläufig? Kurz gesagt: Ja. Immer mehr Daten, sowohl aus internen als auch aus anderen seriösen Quellen, bestätigen, dass Reisende aus der ganzen Welt zunehmend andere Reiseziele als die USA wählen.
Hinter den alarmierenden Schlagzeilen steckt aber ein weitaus komplexeres Bild. Wahrscheinlich gibt es für den Rückgang des US-amerikanischen Tourismus nicht nur eine einzige Ursache, und nicht nur der Verzicht ausländischer Touristen auf Reisen in die USA wirkt sich auf die Gewinne großer Hotelketten aus. Schauen wir uns also genauer an, wie und warum der US-amerikanische Tourismus im Jahr 2025 rückläufig ist.
Zu Beginn dieses Jahres hat ein Bericht des World Travel & Tourism Council die US-Reisebranche alarmiert, wonach das Land 2025 insgesamt 12,5 Mrd. US-Dollar an Einnahmen aus dem internationalen Tourismus verlieren würde. Zwar deuten neuere Prognosen inzwischen auf eine nicht ganz so dramatische Situation hin, dennoch weist alles auf eine deutliche Trendwende gegenüber dem robusten Wachstum, das der US-Tourismus 2024 verzeichnen konnte. Insgesamt rechnet Tourism Economics, ein Unternehmen von Oxford Economics, mit einem landesweiten Rückgang der Besucherausgaben um 8,3 Mrd. US-Dollar. Und Städte wie New York City, Los Angeles, Miami und Las Vegas, die in der Vergangenheit die meisten internationalen Besucher verzeichneten, scheinen am stärksten unter dem Wegfall ausländischer Touristen zu leiden.
Was ist passiert? Immer deutlicher wird, dass politische Veränderungen und wirtschaftlicher Druck eine große Rolle beim Einbruch des US-Tourismus spielen. Seit Donald Trump wieder Präsident ist, führen neue Handelsstreitigkeiten, strengere Grenz- und Visabestimmungen, eine verschärfte Einwanderungskontrolle und zunehmende Spannungen mit verschiedenen Ländern dazu, dass die USA für Reisende weniger einladend wirken und ihr Besuch komplizierter geworden ist. Auch die anhaltenden geopolitischen Spannungen und die negative Berichterstattung in den internationalen Medien haben die Stimmung gegenüber den USA weltweit weiter verschlechtert.
Gleichzeitig machen die steigenden Reisekosten – von Flugtickets und Hotels bis zu Mietwagen und täglichen Ausgaben – sowohl ausländischen als auch einheimischen Reisenden zu schaffen. Viele Touristen überdenken ihre Fernreisen und entscheiden sich stattdessen für günstigere Ziele in Lateinamerika, Europa und Asien. Zusammen haben diese politischen, wirtschaftlichen und verhaltensbedingten Faktoren zu einer Konstellation geführt, die einen deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Reisen in die USA verursacht.
Zusätzlich zu den Daten und Analysen externer Quellen haben wir unsere internen EconomyBookings-Daten ausgewertet, die wir nachfolgend mit Ihnen teilen möchten.
Das nachstehende Liniendiagramm vergleicht die Aufrufe von Mietwagenangeboten für die USA von Januar bis September 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2024 und veranschaulicht, wann der Rückgang stattgefunden hat. Nach unseren Zahlen war das Interesse an Mietwagen in den USA zu Beginn des Jahres weiterhin groß, fiel aber im April 2025 unter das Niveau von 2024.
Seit April 2025 lagen die Anfragen für Mietwagen in den USA unter denen von 2024, sogar während der normalerweise geschäftigen Sommerreisezeit. Tatsächlich sind die Mietwagenanfragen für 2025 seit Juni von Monat zu Monat zurückgegangen, was im starken Gegensatz zu der robusten Nachfrage nach Mietwagen in den USA während des Sommers 2024 steht.

Die folgende Tabelle zeigt die Top-10-Länder mit dem größten Rückgang an Abfragen für US-Autovermietungen (wie die obige Grafik vergleicht auch diese die ersten neun Monate des Jahres 2025 mit dem Vorjahreszeitraum). Kanada steht mit minus 40 % deutlich an erster Stelle. Bedenkt man die anhaltenden Handelsspannungen, die „51. Bundesstaat“-Rhetorik, die steigenden Reisekosten und den schwächeren kanadischen Dollar, scheinen unsere Daten andere Berichte zu bestätigen, die von einem anhaltenden Trend der Kanadier gegen USA-Reisen sprechen.
Außer Spanien und der Schweiz, die ebenfalls unter den Top 10 sind, ist kein anderes europäisches Land dabei. Besonders auffällig: Die Vereinigten Staaten sind selbst auf der Liste, was zeigt, dass auch die Inlandsnachfrage schwächelt. Nicht nur die Mietwagenbuchungen aus Puerto Rico sind rückläufig, sondern auch die Buchungen vom US-amerikanischen Festland.

Während die Einbußen im internationalen Reiseverkehr in den großen Metropolen spürbar sind, macht sich der Rückgang im Inlandstourismus eher landesweit bemerkbar. Analog zu unseren eigenen Daten haben das auch US-Nachrichtenagenturen wie NPR und CNBC berichtet, die auf einen schwächelnden Inlandstourismusmarkt hindeuten.
Was ist los in den USA? Die aktuellen Handels- und Zollmaßnahmen, über die man oft im Kontext der Außenbeziehungen redet, haben auch im Inland eine inflationäre Wirkung und erhöhen den Druck auf die ohnehin schon hohen Lebenshaltungskosten. Apropos steigende Kosten: Höhere Preise für Grundbedürfnisse wie Wohnen, Lebensmittel und Versorgungsleistungen bedeuten weniger Geld für Urlaubsreisen. Und da auch die Kosten für reisebezogene Dinge wie Unterkunft, Unterhaltung und Restaurantbesuche steigen, wird es für US-Verbraucher aus der Arbeiterschicht immer schwieriger, Urlaubsreisen zu bezahlen.
Wohl kein anderer Teilmarkt zeigt die Komplexität des US-Reisemarktes so gut wie Las Vegas. Während Casino-Unternehmen wie Wynn, die vor allem Luxusreisende ansprechen, die Turbulenzen des Jahres 2025 besser überstanden haben, tun sich Unternehmen wie MGM Resorts und Caesars Entertainment mit ihren diversen Casino-Resorts schwerer, zumal sich die Beschwerden der Verbraucher über steigende Preise in den sozialen Medien viral verbreiten. Auch wenn der Rückgang internationaler Touristen viele Spekulationen ausgelöst hat, zeigt der Einbruch bei den einheimischen Touristen ein größeres Problem für Resorts, die ihre Hotelzimmer und Casinos weiterhin voll auslasten wollen.
Grundsätzlich sollte man nicht erwarten, dass man fehlende internationale Reisende einfach durch einheimische Touristen ersetzen könne. Reisende aus dem Inland sind in der Regel preisbewusster als internationale Reisende, die eher bereit sind, für die „Reise ihres Lebens“ tiefer in die Tasche zu greifen. Und da sich viele US-Amerikaner schon vor 2025 über steigende Reisekosten beklagten, wird der US-Reisemarkt wahrscheinlich noch einige Turbulenzen erleben, bevor er sich wieder stabilisiert.
Schauen wir uns als Nächstes die Veränderungen bei der Nachfrage nach Mietwagen in den einzelnen Ländern an. Wie zuvor wird auch in der folgenden Tabelle der Zeitraum von Januar bis September 2025 mit dem Vorjahreszeitraum verglichen. Dieses Mal betrachten wir jedoch, wo die Nutzer stattdessen buchen möchten.
Hier zeichnet sich ein klarer Trend ab: Reisende suchen nach günstigeren, gut erreichbaren Alternativen zu den USA. Chile ist ganz vorn mit dabei, und auch andere südamerikanische Länder wie Argentinien und Kolumbien sind auf der Liste. Während die Nachfrage nach Mietwagen in den Nachbarländern der USA, Mexiko und Kanada, steigt, geht es auch in Ländern wie Polen und Island in Europa sowie Israel im Nahen Osten nach oben.

Müssen die US-amerikanischen Reiseunternehmen nun bis 2029 warten, bis sich die Besucherzahlen aus dem Ausland wieder erholen? Womöglich nicht, denn die USA sind Gastgeber der FIFA-Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr und der Olympischen Sommerspiele 2028. Beide Veranstaltungen könnten dem Fremdenverkehr den dringend benötigten Aufschwung verleihen. Allerdings dürften die jüngsten politischen Spannungen, die wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Kosten das Image des Landes im Ausland weiterhin belasten und damit möglicherweise die Erholung verlangsamen.
Kurzum: Anhaltende innenpolitische und geopolitische Herausforderungen haben dazu geführt, dass die USA für manche Auslandsreisende zunehmend unberechenbar erscheinen, während der wirtschaftliche Druck im Inland die Freizeitausgaben der Amerikaner einschränkt. Bleibt die Zahl der internationalen Gäste weiterhin niedrig, könnte dies den Inlandstourismus und die gesamte US-Wirtschaft nachhaltig belasten.
Bald werden die USA die Gelegenheit haben, sich der Welt gegenüber freundlicher zu zeigen, vor allem während der Fußball-WM 2026 und der Olympischen Spiele 2028. Es bleibt abzuwarten, ob das Land diese Chancen nutzen wird, um sein ramponiertes Image aufzupolieren. Schließlich sollte es für dieses faszinierende Land mit seinen berühmten Städten wie New York und Los Angeles und seinen Naturwundern wie den Blue Ridge Mountains und dem Grand Canyon nicht allzu schwer sein, Besucher anzulocken.
Wir bei EconomyBookings bleiben zuversichtlich, dass sich der Tourismus in den USA langsam wieder normalisieren wird, wenn sich die Wirtschaftslage erholt und sich die Stimmung auf internationaler Ebene bessert. Mit der richtigen Mischung aus politischer Unterstützung, positiver Wahrnehmung und kommenden internationalen Großereignissen hat die USA immer noch jede Chance, ihre Position als eines der meistbesuchten und beliebtesten Reiseziele der Welt zu behaupten.

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